Individual-Europameisterschaften 2017 in Kolding

 

Sabrina Jaquet mit EM-Bronze-Medaille im Einzel

 
 
Sabrina Jaquet
Sabrina Jaquet
  
Am letzten Wochenende gewann Jaquet in Kolding EM-Bronze im Einzel. Es ist die erste Medaille einer Schweizerin, seit Liselotte Blumer 1980 Europameisterin wurde. Die Belohnung für viel Aufwand – und eine Erlösung. «Es war ja keine Medaille mit 20», sagt die studierte Sportwissenschafterin.

Jaquet ist eine Arbeiterin, ehrgeizig, fleissig, zielstrebig. Erst als Elfjährige kam sie zum Badminton, ihre Eltern erlaubten ihr anfangs nicht mehr als zwei wöchentliche Übungseinheiten. Lange stand sie im Schatten von Jeanine Cicognini, die früh im Ausland trainierte. Erst mit 23 fokussierte Jaquet auf das Einzel. Den Vorstoss in die EM-Viertelfinals vor fünf Jahren bezeichnet sie als Überraschung. Er eröffnete ihr neue Perspektiven: 2012 wurde Jaquet für die Olympischen Spiele selektioniert – und nicht die in der Weltrangliste besser klassierte Cicognini.

«Ich weiss schon lange, dass ich auf hohem Niveau spielen kann», sagt Jaquet. «Aber die knappen Matches habe ich oft verloren.» Manchmal zweifelte sie, etwa letzte Saison. «Ein solches Jahr wollte ich nicht mehr erleben.» Vor zwei Jahren stellte sie auf Anraten des neuen Nationaltrainers John Dinesen die Technik um. Mutig sei das, findet Michael Fuchs, der Sportdirektor von Swiss Badminton und langjährige deutsche Nationalspieler. «Sie hat sich über die Jahre immer weiter verbessert. Und beim jetzigen Erfolg kam dann eine gewisse Routine dazu.»

Zeit, die Medaille zu feiern, hatte Jaquet noch nicht. «Ich fuhr drei Tage mit dem Freund in die Ferien, und nun bin ich für die Play-offs in Frankreich.» Sie spielt seit sieben Saisons für Issy-les-Moulineaux. Viele fragten, ob sie nun die Karriere beende. «Ich bin zufrieden mit meinem Leben und möchte so lange wie möglich weiterspielen», sagt Jaquet. Es lockt die WM 2019 in Basel, «und dann ist Tokio 2020 auch nicht mehr weit».

Seit Donnerstag belegt Jaquet in der Weltrangliste Platz 32. Nie war sie besser. «Ich möchte unbedingt in die Top 30 kommen. Und wenn ich dort bin, will ich wahrscheinlich unter die ersten 20. Bisher konnte ich mich immer weiter entwickeln.» Ein wenig ruhiger wird sie es künftig aber nehmen: Sie kehrt in die NLA zurück, zu La Chaux-de-Fonds, zum Klub, in dem alles begann. Um weniger reisen zu müssen.
 

Badminton Europameisterschaft 2017 (25. - 30. April)

» Alle Resultate
 
 
Text: Stefan Kleiser, Neue Zürcher Zeitung
 
Zum SeitenanfangSeite druckenProfessionelle Homepage zum Fixpreis: Modulpark